Am 1. März 2025 wurde Englisch per Dekret des Präsidenten die offizielle Amtssprache der USA. Die Vereinigten Staaten hatten bis zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine offizielle Amtssprache, obwohl Englisch in der Praxis natürlich diese Funktion ausübte und Menschen, die die Staatsbürgerschaft beantragten, einen relativ einfachen Englisch-Test ablegen mussten. (Das weiß ich aus eigener Erfahrung.)
Viele offizielle Dokumente wurden allerdings seit Jahren auch auf Spanisch übersetzt, denn immerhin sprechen mittlerweile rund 42 Millionen Menschen in den USA Spanisch als Muttersprache, Tendenz steigend. Allerdings hatte die neue US-Regierung bereits bei Amtsantritt Mitte Januar die spanische Version der White-House-Website gelöscht und damit deutlich gemacht, dass sie auf Englisch als einzige Amtssprache setzt. Durch das Dekret am 1. März wurde das jetzt auch ganz offiziell.
An dieser Stelle eine Nebenbemerkung: Da die USA bis jetzt keine offizielle Amtssprache hatten, gab es natürlich auch die angebliche Abstimmung im US-Kongress nicht, bei der Deutsch mit einer Stimme unterlegen sein soll.

Sprachenvielfalt in den USA
In den USA werden mehr als 350 Sprachen gesprochen, von denen 151 auf die Ureinwohner des Gebietes der heutigen USA entfallen. Navaho ist die am meisten gesprochene indianische Sprache mit 143.000 Muttersprachlern in Arizona, New Mexico und Utah. 20.000 Menschen in Alaska sprechen Yup‘ik. Apache wird noch von 14.000 Menschen als Muttersprache verwendet, vor allem in Arizona und New Mexico. Viele der Sprachen sind, wie 52 Indianersprachen vor ihnen, vom Aussterben bedroht, denn in den USA dominieren seit Langem die Sprachen der Einwanderer.
Laut American Community Survey aus dem Jahr 2022 sprachen 246 Millionen Menschen, die älter als fünf Jahre alt waren, Englisch als Muttersprache, 42 Millionen Spanisch, 3,5 Millionen Chinesisch, 1,2 Millionen Französisch bzw. Französisch-Kreolisch, 1,8 Millionen Tagalog, 1,5 Millionen Vietnamesisch, 1,4 Millionen Arabisch, 1,1 Millionen Koreanisch, 998.000 Portugiesisch, 975.000 Russisch, 910.000 Haiitisch, 881.000 Hindi, 876.000 Deutsch, 522.000 Italienisch, 518.000 Urdu, 515.000 Persisch, 506.000 Telugu und 483.000 Polnisch.

Spanisch ist auf dem Vormarsch
Berechnungen sagen voraus, dass im Jahr 2050 mehr als 140 Millionen Hispanics in den USA leben werden. Damit wird beinahe ein Drittel der amerikanischen Bevölkerung Spanisch als Muttersprache sprechen.
Das wird dann mehr als vergleichbar mit Kanada sein, wo 22 Prozent der Bevölkerung französische Muttersprachler sind und wo es zwei offizielle Amtssprachen gibt: Englisch und Französisch. Es ist also gut denkbar, dass die USA eines Tages zwei offizielle Amtssprachen haben werden, denn ob sich Spanisch dadurch eindämmen lässt, dass man Englisch jetzt zur (alleinigen) Amtssprache gemacht hat, darf bezweifelt werden, zumal ich den Eindruck habe, dass viele Amerikaner keine Abneigung gegen Spanisch haben.
Mit Deutsch, das um 1900 von Millionen Menschen in den USA gesprochen wurde, war das anders, denn zur Zeit des Ersten Weltkrieges waren die Leute derart gegen Deutschland aufgebracht, dass deutsche Bücher aus Bibliotheken entfernt wurden und Scheunen von deutschen Farmern in Brand gesteckt wurden, die weiterhin Deutsch sprachen.

Was bedeutet das jetzt in der Praxis?
Nun da Englisch die offizielle Amtssprache der USA ist, wird es wohl in erster Linie weniger übersetzte Dokumente und Formulare der Bundesbehörden geben. Das bedeutet weniger Aufwand und geringere Ausgaben, erschwert Einwanderern, die nicht gut Englisch sprechen, aber das Leben. Davon werden in erster Linie ältere Menschen, die nicht in den USA zur Schule gegangen sind, betroffen sein.
Bundesstaaten mit einem hohen Einwandereranteil an der Bevölkerung werden ihre Dokumente sicher weiter übersetzen.
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